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Libellen | An der Grenze zwischen Luft und Wasser

Wenn man jetzt im Sommer die grazilen Libellen bei ihren Flügen über Bäche und Teiche beobachtet vergisst man gern, dass dieses Stadium nur das Ende eine langen Reise ist. Tatsächlich verbringen viele Libellenarten nur den kleinsten Teil ihres Lebens als Imagines – der Fachbegriff für die schillernden Flugkünstler. Die längste Zeit verbringen sie im Wasser, als Ei oder Larve, auch Nymphe genannt.

Seit mich letztes Jahr die Faszination an den Libellen gepackt hat, konnte ich leider noch nicht den Übergang des Insekts vom Wasser an die Luft miterleben, aber diese Woche hatte ich Gelegenheit einige Königslibellen und Plattbäuche beim Übergang von Luft zu Wasser, also der Eiablage, zu beobachten. So trivial das klingen mag, birgt auch dieser Schritt einige Dramatik.

Ursprünglich hatte ich den kleinen Teich im Steinbruch Ludwag angesteuert um die Frösche abzulichten, die dort ihr Konzert veranstalten, aber als ich ankam hörte ich ein Plätschern. Da war eine Libelle im Wasser. Ich dachte sie wäre einfach bei einem Flugmanöver im Wasser gelandet und wollte sie herausfischen. Als ich sie jedoch mit einem Stock heranzog, flüchtete ein Wasserskorpion (Nepa cinerea), der sie am Bein im Wasser hielt.
Die Große Königslibelle (Anax imperator) hatte sich vermutlich zur Eiablage auf dem abgestorbenen Schilfblatt niedergelassen, als der Wasserskorpion sie am Hinterbein packte. Befreit von ihrem Häscher und aus dem Wasser gezogen, saß die Hübsche noch eine Weile auf dem Stecken und vibrierte ihre Flügel trocken. Die Camera griffbreit wurde ich gleich mit einer wunderbaren Photographie belohnt.
Ich saß bestimmt noch zwei Stunden am Teich und beobachtete die Libellen beim Flug und bei der Eiablage. Dabei fiel mir auf, dass die Königslibelle bei der Eiablage immer wieder von einem Plattbauch Männchen (Libellula depressa) attackiert wurde.
Derweil war ein Plattbauchweibchen am anderen Ufer des kleinen Weihers dabei, ihre Eier ins Wasser abzutupfen. Dabei wurde sie von einem weiteren Männchen bewacht.
Am Schilf waren noch die Exuvien, die Nymphenhäute, und einmal konnte ich auch eine Nymphe beobachten, wie sie zum Atmen an die Wasseroberfläche kam.
Zum Schluss kam noch eine Frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula) vorbei.

Die Frösche habe ich zwar Quaken gehört, wenn ich lange genug ruhig blieb, aber allein das Geräusch, mit dem die Camera aus dem Stand-by erwacht, hatte sie dann doch wieder verschreckt.